Die versteckten Kosten vertagter Entwicklung
- Rolf Schwab
- 12. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Viele Unternehmer investieren viel Zeit in Kunden, Projekte und operative Themen.
Das ist nachvollziehbar. Das Tagesgeschäft fordert Aufmerksamkeit. Aufträge müssen abgewickelt, Kunden betreut und Probleme gelöst werden. Was dabei oft zu kurz kommt, ist die Entwicklung der eigenen Mitarbeitenden. Nicht aus mangelndem Interesse. Sondern weil sie selten dringend erscheint. Zumindest nicht heute.
Entwicklung wird selten bewusst verschoben
Kaum jemand entscheidet aktiv, die eigenen Mitarbeitenden nicht zu entwickeln. Viel häufiger passiert etwas anderes, die Entwicklung wird auf später verschoben. Das Mitarbeitergespräch findet nächsten Monat statt. Die Stellvertretung wird später aufgebaut. Die Nachwuchskraft soll zuerst noch etwas Erfahrung sammeln. Für eine systematische Nachfolgeplanung fehlt aktuell die Zeit.
Jede einzelne Entscheidung wirkt vernünftig. Die Summe dieser Entscheidungen kann jedoch teuer werden.
Die Kosten erscheinen nicht auf der Rechnung
Die meisten Kosten vertagter Entwicklung sind unsichtbar. Sie erscheinen weder in der Erfolgsrechnung noch im Budget.
Sie zeigen sich an anderen Stellen:
Wissen bleibt an einzelnen Personen hängen.
Führungskräfte übernehmen Aufgaben, die längst delegiert werden könnten.
Talente entwickeln sich langsamer als möglich.
Schlüsselpersonen werden immer wichtiger.
Die Organisation wird anfälliger für Ausfälle.
Oft wird das erst sichtbar, wenn jemand das Unternehmen verlässt, länger ausfällt oder in Pension geht.
Dann stellt sich plötzlich die Frage: Wer kann diese Aufgabe eigentlich übernehmen?
Das eigentliche Risiko ist nicht der Fachkräftemangel
Viele Unternehmen beschäftigen sich intensiv mit dem Fachkräftemangel.
Die schwierigere Frage lautet jedoch häufig welche Fachkräfte für die Aufgaben vorn morgen entwickelt werden können. Selbst wenn der Arbeitsmarkt wieder einfacher würde, bleibt eine Herausforderung: Die Zukunft eines Unternehmens hängt davon ab, ob Wissen, Verantwortung und Erfahrung rechtzeitig weitergegeben werden.
Gerade mit Blick auf die Pensionierung vieler erfahrener Mitarbeitender wird diese Frage zunehmend relevant.
Nachfolge beginnt nicht kurz vor dem Austritt einer Person. Nachfolge beginnt Jahre vorher.
Das Kopfkissengespräch
Viele Unternehmer kennen diese Gedanken:
Können wir unser Wachstum langfristig absichern?
Was passiert, wenn meine wichtigste Fachperson morgen ausfällt?
Wer könnte mehr Verantwortung übernehmen?
Haben wir überhaupt genügend Nachwuchskräfte?
Diese Fragen betreffen nicht nur Personal, sie betreffen die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Personalentwicklung ist eine Aufgabe für alle
Entwicklung ist eine strategische Aufgabe. Sie entscheidet darüber, ob ein Unternehmen auch in fünf oder zehn Jahren noch über die Menschen verfügt, die es für seinen Erfolg braucht.
Dabei geht es nicht um aufwendige Programme sondern um Klarheit:
Welche Schlüsselrollen sind für den Unternehmenserfolg kritisch?
Wo bestehen Abhängigkeiten von einzelnen Personen?
Welche Talente sind bereits vorhanden?
Welche Fähigkeiten werden künftig benötigt?
Man muss zuerst die Schuhgrösse kennen, bevor man die passenden Massnahmen definieren kann.
Fazit
Die grössten Kosten vertagter Entwicklung entstehen nicht heute - sie entstehen morgen.
Dann, wenn Wissen fehlt.
Dann, wenn Nachfolger fehlen.
Dann, wenn Wachstum an den verfügbaren Menschen scheitert.
Wer Entwicklung als Teil der Unternehmensstrategie versteht, investiert nicht primär in Weiterbildung, er investiert in die Zukunftssicherheit seines Unternehmens.
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